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Glanzvoller Abschluss in der Schlosskirche. Ferenc Snétberger begeisterte beim letzten Konzert der Reihe „acoustics“.

In der Diersfordter Schlosskirche erlebte die vom künstlerischen Leiter Wilfried Schaus-Sahm aus der Taufe gehobene acoustics-Konzertreihe einen fulminanten Höhepunkt und Abschluss. Der ungarische Jazzgitarrist Ferenc Snétberger spielte einen Querschnitt aus seinen bisherigen Programmen. Großartige Musiker vom Rang auf diesem Instrument gibt es viele, aber nur die allerwenigsten erreichen wie er ein Niveau, welches dem Prädikat Weltrang vollständig gerecht wird. Er hat zunächst das klassische Gitarrenspiel gelernt, später am Jazzkonservatorium in Budapest studiert. Nur eine Handvoll Kompositionen des 62-jährigen sind vollständig niedergeschrieben, von den meisten existieren nur einige Notenfetzen, oft nur ein Titel oder flüchtige Skizzen von Melodien, um die herum er im Konzert ad-hoc seine Improvisationen zaubert. Dadurch haben seine Stücke einen gewissen Wiedererkennungswert, klingen vertraut und sind doch bei jedem Auftritt immer wieder anders. Das eine Werk ist mehr von erzählerischem Charakter, sparsam auch in der Begleitung. Andere wiederum melodiös singend und von üppigen Akkorden begleitet. Melancholisches wechselt mit Überschwang, flinke Skalen mit wuchtigem Akkordspiel. Mal klingt es brasilianisch und mal á la Zigane, wie in seiner Heimat. Auch kam seine klassische Ausbildung zum Tragen. An der von ihm in Ungarn gegründeten internationalen Musikschule wird sogar „Bachimprovisation“ als Fach gelehrt und so erklang eine wunderbare ruhige Improvisation im Stile des großen Barockmeisters. Als er nach einer guten Stunde die Gitarre aus der Hand legte, forderte das Publikum lautstark durch rhythmisches Applaudieren eine Zugabe. Snétberger intonierte dazu ein ungarisches Volkslied aus einer Sammlung von Béla Bartok. Die Besucher – einige waren sogar aus der Schweiz und den Niederlanden angereist- waren schlicht begeistert. Für Wilfried Schaus-Sahm war die Reihe ein voller Erfolg. Drei außergewöhnliche Künstler an einem außergewöhnlichen Ort. „Im April hatten wir die Daten und Namen zu den Konzerten veröffentlicht und bereits Ende Mai waren sämtliche Karten vergriffen.“ Wie ist das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen über die Tickets? „Die Kosten werden durch die Ticketverkäufe nicht ganz gedeckt.“ so Schaus-Sahm. „Wir sind auf Sponsoren angewiesen. Dieses dritte Konzert wurde gesponsert durch die „Fasselt Stiftung“. Darüber hinaus hat uns die Kirchengemeinde die Schlosskirche für die Konzerte kostenlos zur Verfügung gestellt.“ Die Reihe wird nächstes Jahr fortgesetzt. (Stefan Wille, NRZ / RP)

 


Stehende Ovationen für Jasper van‘t Hof

„Ich war noch nie in Wesel!“, begann Jasper van´t Hof schuldbewusst die charmante Moderation seines seit Monaten ausverkauften acoustics-Konzertes in der Schlosskirche Diersfordt und schwärmte dann von der Landschaft des Niederrheins. Auch der wundervolle Steinway hatte es ihm angetan – in das Instrument hatte er sich schon beim Soundcheck verliebt. Es folgte ein kraftvolles, ungezügeltes und kompromissloses Konzert, das eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass der inzwischen 72 jährige seine Musik mit jeder Faser lebt und nicht gewillt zu sein scheint, sich auf den Lorbeeren seiner inzwischen mehr als 50 jährigen Karriere auszuruhen.

Seine Kompositionen spannten von nervös schwirrenden Stimmungen über Leichtfüßiges bis hin zum donnernden Pathos ein breites Spektrum und auch sein augenzwinkernder Humor blitze immer wieder auf. Auf zarte, perlende Läufe folgten nicht selten mächtige Bässe, die in ihrer urtümlichen Gewalt die Kirche vibrieren ließen und bei denen man beinahe Sorge um den zuvor so gelobten „wundervollen Steinway“ haben konnte. Zum Standardrepertoire seiner Solokonzerte gehört inzwischen das grüblerische „The Quiet American“, eine Komposition, die unter dem Eindruck eines Romans von Graham Greene geschrieben wurde. Seinem verstorbenen Freund und musikalischen Weggefährten Charlie Mariano widmete van’t Hof einen Blues und mit „No Money, No Tolerance“ zollte er auch der aus Benin stammenden großen Sängerin Angelique Kidjo Tribut, die er einst als Leadsängerin für sein Bandprojekt Pili Pili entdeckt hatte. Als die linke Hand zum Schluss dieses intensiven und fesselnden Nachmittags beim Klassiker „Zaire“ ein packendes ostinates Motiv immer machtvoller nach vorne trieb, glaubte man dann tatsächlich, statt eines holländischen Pianisten einen afrikanischen Kongaspieler in der Kirche zu hören.

Das Publikum erhob sich und feierte einen grossen Musiker, der als nachdenkliche Zugabe mit Blick auf die aktuelle Weltlage noch das beeindruckende „Peace“ von Horace Silver spielte.

Mit seiner sympathischen Ehefrau und Hund „Donna“ ging es dann zurück ins ländliche Zwolle, bevor seine diesjährige große Tournée weitergeht.



Charlotte Quik unterstützt Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel

(v.l.) Jochen Krause (Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel), Charlotte Quik MdL, Volker Pypetz (Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel) und der Künstlerische Leiter Wilfried Schaus-Sahm. (Foto: Venohr)

Liebe Musikfreundin, lieber Musikfreund,

wir freuen uns sehr, dass die Weseler Landtagsabgeordnete Charlotte Quik (CDU) den acoustics-Konzerten für die Zukunft Unterstützung in Aussicht gestellt hat. Hier die Pressemeldung.

„Sieben Jahre lang hat das „Sommerton Festival“ auf dem Schlossgelände in Diersfordt Musiker von internationalem Rang an den Niederrhein gebracht und zuletzt Besucher aus sieben europäischen Ländern angezogen. „Ich freue mich, dass nach dem Aus des Sommerton-Festivals nun in diesem Herbst eine neue Konzertreihe durchgeführt wird, die an das erfolgreiche musikalische Konzept anknüpft und viel Potential für die Zukunft hat. Das Kultur Netzwerk Dierstfordt Wesel leistet eine wichtige ehrenamtliche Arbeit im Sinne der Kultur in der Region, in dem die Mitglieder die acoustics- Konzertreihe auf die Beine stellen“, erklärt die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik. „Ich unterstütze das Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel gern und bin begeistert, dass das erste Konzert von Vincent Peirani, das bereits stattgefunden hat, ausverkauft war und die Karten für die zwei noch bevorstehenden Konzerte auch schon vergriffen sind.“
Die Konzertreihe, für die Charlotte Quik die Schirmherrschaft übernommen hat, ist in diesem Jahr finanziell gesichert. Im kommenden Jahr ist eine Landesförderung durch die Teilnahme an der Muziekbiennale möglich. Für die langfristige Arbeit sucht der Verein noch Förderungen. „Dabei“, so Charlotte Quik, „werde ich der Bitte des Vereines gerne nachkommen und mich für die ehrenamtliche Arbeit und Kultur einsetzen.“
Die Veranstaltungsreihe findet in der beeindruckenden Atmosphäre der Schlosskirche in Diersfordt statt – zunächst unter dem Motto „the art of solo“. Mit Vincent Peirani hat bereits der erste von drei international renommierten Künstlern sein Können als Akkordeon-Virtuose präsentiert. Die Besucher dürfen sich auf die Pianoimprovisationen der Jazzlegende Jasper van ́t Hof (13. Oktober, 15 Uhr) und die Gitarrenpoesie von Ferenc Snétberger (10. November, 15 Uhr) freuen. Die Konzerte sind bereits ausverkauft.“



Musikalische Mélange in der Schlosskirche Diersfordt

NRZ/WESEL. Vincent Peiran, neuer Shooting-Star der Jazz-Szene, startete am Sonntag die dreiteilige Konzertserie „acoustics!“ in der Schlosskirche Diersfordt.

Ist das Akkordeon und die Musik, die auf ihm gespielt wird, nur für alte Menschen? Mitnichten, wenn der richtige Künstler sich dieses Instrumentes annimmt. Vincent Peirani, 1980 in Nizza geboren, heißt der neue Shooting-Star der Jazz-Szene und der ungekrönte Meister auf dem Knopf-Akkordeon. Am Sonntag startete mit ihm die dreiteilige Konzertserie „acoustics!“ in der Schlosskirche Diersfordt.

Musikstil ist unverwechselbar
Sein Musikstil, der ihn so unverwechselbar macht, ist zu vielfältig, um einfach nur „Jazz“ genannt zu werden. Schließlich schlägt seine klassische Ausbildung am Nationalkonservatorium in Nizza zusammen mit seinem Interesse für alte Musik immer wieder durch. So verschmelzen bei Peirani Jazz, Weltmusik, Chanson, Pop und Klassik zu einer wunderbaren Mélange, aus der heraus er seine Kompositionen geradezu extrahiert.
Seine Musik ist spielerisch, experimentell, bisweilen minimal, aber immer mit größtmöglichem Ausdruck. Und so ist von flüsterleise bis fortissimo, von romantisch bis zu rockigen Rhythmen alles dabei. Auf die Frage, wie viel von seiner Musik als Noten tatsächlich niedergeschrieben und wie viel während des Auftritts improvisiert ist, antwortet er, dass zwar der größte Teil ad-hoc erdacht sei, aber doch innerhalb eines Stückes von Auftritt zu Auftritt ähnlich sei.
Peiranis unglaublicher Erfindungsreichtum und die atemberaubende Virtuosität ermöglichen ihm schier unbegrenzte Möglichkeiten des Ausdrucks von Melancholie bis Überschwang. So ließ Peirani gleich im ersten Stück erkennen, warum er längst kein Geheimtipp mehr ist, sondern zu den großen des Genres gehört: ein mehrteiliges chansonartiges Werk, mit verträumten, langgezogenen Akkorden beginnend, im Mittelteil düster und stark rhythmisiert, mehr Schlagzeug als Akkordeon, bevor der wiederholte Anfang das Stück versöhnlich ausklingen lässt.

Ganz Paris ist mein Atelier
Nach eigener Aussage ist ganz Paris sein Atelier, aus dem er täglich aufs Neue seine Inspirationen holt – und in so manchen seiner Kompositionen ist das nicht zu überhören. Man fühlt sich unwillkürlich in typische Pariser Straßenszenen versetzt und hat den einen oder anderen französischen Film vor Augen. Ebenso vermochte der gut aufgelegte und fast durchgängig mit geschlossenen Augen spielende Akkordeonist auch das Publikum zu begeistern.
Zunächst noch zurückhaltend, so sah man von Stück zu Stück mehr wippende Füße. Und mit dem langen Schlussapplaus machten die Zuschauer klar, dass sie noch durchaus noch mehr wollten. So bekamen sie noch zwei Zugaben. Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services


Was für ein Auftakt!

Es stimmte alles bei der Premiere der acoustics-Konzerte. Die Deutsche Bahn brachte einen entspannten Vincent Peirani pünktlich von St. Wedel nach Duisburg. Ein wenig ausruhen, etwas (vegetarisch) essen und dann zum Soundcheck. Bei strahlendem Sonnenschein wartete das Publikum vor der Schlosskirche auf den Einlass, während Peirani sich in der Kapelle einspielte und mit der wunderbaren Akustik des Raumes anfreundete.
Das Konzert endet schließlich mit Ovationen und zwei umjubelten Zugaben. Ein erschöpfter, aber sichtlich zufriedener Peirani wurde sofort nach seinem Auftritt wieder zum Duisburger Hauptbahnhof gebracht, wo der „Thalys“ wartete, um ihn zurück in seine Heimatstadt Paris zu bringen.

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch, der ein beseeltes Publikum und auch ein glückliches acoustics-Team zurück liess.

(Fotos: Oguzhan Yoldas)


Wo man der Musik ganz, ganz nahe kommt

Foto: Bieten eine neue Konzertreihe in der Schlosskirche zu Diersfordt an: v.li. Volker Pypetz und Jochen Krause vom Kultur Netzwerk Diersfordt und der Künstlerische Leiter, Wilfried Schaus-Sahm. (Foto: wasch)

von Heike Waldor-Schäfer (NRZ-Niederrhein, 26.07.2019)

Eine kleine Konzertreihe knüpft an das Sommerton-Festival an: Internationale Größen der Jazz- und Musikszene kommen in die Schlosskirche.
Es ist gut zu wissen, dass Musik einfach nicht aufgibt. Dass sie immer wieder Leidenschaftliche findet, Begeisterte – und neue Formate. Wenn dann der Ort, an dem die Leidenschaftlichen andere Leidenschaftliche erreichen, ein besonderer ist – schön für das Auge, das Ohr und die Seele – dann passt eigentlich alles.
Und dann sitzen Sie wohl möglich in einer dieser himmelblauen hölzernen Bänke mit den farbkräftigen, pinken Sitzkissen des altehrwürdigen, kleinen und knuffigen Rokoko-Kirchleins von Schloss Diersfordt – und genießen „the spirit of the place“, die Magie des Ortes.
„acoustics“ nennt sich die neue, kleine Konzertreihe in der Schlosskirche Diersfordt. Das Kultur Netzwerk Diersfordt hat das Kirchlein immer wieder bespielen dürfen – das passt denn auch wunderbar in die Tradition des Vereins, der internationale Künstler an außergewöhnlichen Orten präsentieren und den internationalen Austausch von Kunst und Kultur fördern möchte.

Klein, fein, ganz nah

Nun kommt etwas Neues hinzu – das eigentlich gar nicht so neu ist – weil der, der die künstlerischen Fäden in Händen hält, ein Altbekannter ist: Wilfried Schaus-Sahm. Vor vielen Jahren der Mann der Duisburger Traumzeit, dann der Mitbegründer des Sommerton Festivals (erst in Marienthal, dann auf dem Schlossgelände Diersfordt). Und nach dem Aus des Sommerton-Festivals nun eben „acoustics“, klein und besonders. Drei Termine, drei – wie könnte es anders sein – bemerkenswerte und außergewöhnliche Künstler.
„Acoustics“ knüpft ans Sommerton an – die Schlosskirche wurde ja im Rahmen des Festivals immer und erfolgreich bespielt. Und doch ist die neue Konzertreihe ein bisschen anders, feiner, kleiner, intimer.
„Wir wollen kein kleines Sommertönchen machen“, beteuert Wilfried Schaus-Sahm. „Es ist ein neuer Start mit anderen Ideen und Voraussetzungen. Was bleibt ist die Qualität der Künstler.“
Was auch bedeutet, dass es keine massengefällige Musik sein muss, die serviert wird – „ keine Helene Fischer, kein Mainstream“. Und doch sind es „Weltstars“, die aufs platte Land kommen, sagt Schaus-Sahm.

„Absolute Größen der internationalen Jazz-und Musikszene“

Ohne Sponsoren geht das alles gar nicht – auch eine dreiteilige Konzertreihe nicht – und so darf man sich die Liste der Förderer, die im Programmheftchen aufgelistet sind, denn auch gerne durchlesen – und wie es ausschaut, wird es im nächsten Jahr wohl die zweiten „acoustics“ geben.
„Wir erhalten telefonisch und per Mail viel Rückenwind, weil sich ehemalige Besucher des Sommerton-Festivals sehr erfreut zeigen, dass es nun in anderer Form mit international renommierten Künstlern
weitergeht.“, so Schaus-Sahm.


Ferenc Snétberger – ein außergewöhnlicher Musiker und Mensch

Wir freuen uns, mit Ferenc Snétberger am 10. November einen der bedeutenden Gitarristen der internationalen Jazzszene in der Schlosskirche hautnah erleben zu können. „In seiner Spielweise und seinem Tonfall sind zahlreiche musikalische Elemente zu etwas Neuem, eigenem zusammengeschmolzen, einem unverkennbar persönlichen, verblüffend dichten Stil. Snétberger hat die Virtuosität der schwebenden Gesten entdeckt. Er spielt Unerhörtes mit großer Gelassenheit. Souverän und fragil zugleich“ Hans-Jürgen Schaal, Jazzthetik 7/8-2017

Als kleiner Vorgeschmack auf seine Gitarrenkunst hier ein Video eines Soloauftritts beim GLB Sound – Jazz Festival in Italien.

Ferenc Snétberger ist auch Gründer des Snétberger Musik Talent Centers, einer internationalen Musikschule in Ungarn für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, überwiegend der Minderheit der Sinti und Roma angehörig, die 2011 eröffnet wurde. Mit Studentinnen und Studenten seiner Schule hat er gerade erst im April eine Tournée in Spanien absolviert. Im Film von Ida Benkert Holtet über das Projekt erzählt Snétberger, wie er – selbst aus ärmsten Verhältnissen stammend – als eines von sieben Kindern darum kämpfen musste, die Gitarre des Vaters spielen zu dürfen, um dann nach einem klassischen Studium eine internationale Karriere zu starten.


Jasper van´t Hof spielt „Flowers Allover“ neu ein

Nachdem Jasper van´t Hof gerade erst in New York die Aufnahmen für sein neues Trio-Album beendet hatte, spielte er am Sonntag, 16. Juni 2019 im Kunstmuseum Bochum sein legendäres Album „Flowers Allover“ aus dem Jahr 1976 live neu für eine weitere weltweite Albumveröffentlichung ein. Schon im vergangenen Jahr gab van´t Hof im ausverkauften Kunstmuseum ein umjubeltes Konzert.

„Flowers Allover“ gehört zu jenen typischen Klavier-Soloaufnahmen aus der Mitte der 70er Jahre, man denkt unwillkürlich an Chick Coreas zweiteilige „Piano Improvisations“ oder Keith Jarretts „Köln Konzert“. Van´t Hofs „Flowers Allover“ wurde seinerzeit auf dem Schwarzwälder MPS Label veröffentlicht.

Wenn ein Musiker nach reichlich 40 Jahren eines seiner erfolgreichsten Alben nochmals einspielt, ist das ein Vorhaben ungewöhnlich und zudem durchaus ein Risiko. Für van’t Hof ist die Neueinspielung nichts, was er aus dem Ärmel schütteln würde. Tatsächlich hat sich der Künstler in den letzten Wochen und Monaten akribisch mit seiner historischen Komposition auseinandergesetzt – seine Spieltechnik hat sich in 40 Jahren ebenso verändert wie die konzeptionelle Handhabung des musikalischen Stoffes. Wie werden die Stücke von einst nun im 21. Jahrhundert klingen? Vom LP-Auftakt mit „The Conductor“, das eine vielstimmige Eröffnungslinie mit einem pulsierenden Riff und blitzschnellen Läufen verschmilzt, über „La Truite Plays Back“ mit seinem Satie-Feeling, bis zur schönen Ballade „Transitory-Variation“, die das Album beschliesst.

Man darf gespannt sein, ob van´t Hof bei seinem Programm in der Schlosskirche Diersfordt am 13. Oktober dem Publikum einige der neuen Interpretationen vorstellen wird.

(Text unter Verwendung eines Artikels der WAZ vom 11. Juni von Jürgen Boebers-Süßmann)

The Conductor“



Vincent Peirani im Portrait bei rbb

Ende Juni geht Vincent Peirani mit seinem neuen Projekt „Night Walker“ auf Tournée in den USA. Wir freuen uns auf sein Solokonzert in der Schlosskirche am 22. September. Vor seinem Auftritt Ende Mai in der Berliner Philharmonie hat rbb-Fernsehen ein kurzes Porträt über den Musiker gedreht, in dem Peirani auch über seine Krebserkrankung in der Jugend spricht und welche Kraft ihm die Musik beim Kampf gegen die Erkrankung gab. „Für mich ist die Musik lebenswichtig. Ich brauche die Musik, um zu leben.“

Video:
https://www.rbb-online.de/…/05/portrait-vincent-peirani.html




Jasper van´t Hof erhält Preis für sein Lebenswerk

Am 6. Dezember des letzten Jahres erhielt der Pianist und Komponist Jasper van’t Hof den Buma Boy Edgar Prize, den wichtigsten Preis in den Niederlanden auf dem Gebiet des Jazz und der improvisierten Musik. Der begehrte Preis, eine Plastik von Jan Wolkers, wurde ihm von Schlagzeuger Pierre Courbois in einem völlig ausverkauften Bimhuis anlässlich eines von van’t Hof selbst zusammengestellten Konzertabends überreicht. Aktuell befindet sich van´t Hof auf der Buma Boy Edgar Prize Tour, bei der er in verschiedenen Besetzungen auf über 20 niederländischen Konzertbühnen spielt. Wir freuen uns, dass er für sein Solokonzert am 10. Oktober einen Abstecher in die Schlosskirche nach Dierfordt macht.
„…..Bei seinen Solorecitals erkundet van´t Hof die ganze Bandbreite des Flügels und kreiert ein weites Spektrum an Emotionen. Er nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise voller Überraschung. Er spielt das Instrument wie kaum ein anderer. Es wirkt, als ob eine komplette Band agierte. Er startet einen Groove, hält diesen Groove, und dann, als sei er eine andere Person, begibt er sich in eine komplexe Improvisation. Sein Spiel ist voller Leidenschaft und bleibt doch souverän und gelassen. Und was seinen Sound betrifft: niemals stumpf, es ist immer der helle, klare Pianoklang mit allen, wirklich allen dynamischen Möglichkeiten, die das Instrument bietet. Da ist Bartók, Ellington, Cage, Stravinsky, Satie, Jazz, Blues, aber vor allem ist da Jasper van´t Hof, der wundervolle, überraschende Japer van´t Hof.“ (Hein van den Geyn in den Linernotes zur CD: Jasper van´t Hof „AT THE CONCERTGEBOUW – SOLO“)

Im Interview mit der Sängerin und Moderatorin Giovanca blickt der sympathische Musiker auf wichtige musikalische Einflüsse in seinem Leben zurück. Das Gespräch dürfte auch in niederländischer Sprache verständlich sein.





Programmänderung


Liebe Musikfreundin, lieber Musikfreund,
Zsófia Boros hat uns leider mitgeteilt, dass sie ihr Konzert aus zwingenden persönlichen Gründen absagen muss. Wir bedauern das sehr und hoffen, die wundervolle Künstlerin in einem der nächsten Jahre in der Schlosskirche begrüßen zu können. Mit dem ebenfalls aus Ungarn stammenden Ferenc Snétberger können wir Ihnen stattdessen am 10. November einen der großen europäischen Gitarristen präsentieren. Snétberger wurde 1957 in Nordungarn als jüngster Sohn einer Musikerfamilie geboren. Er studierte klassische Musik und Jazzgitarre,
sein Repertoire ist inspiriert von der Roma-Tradition seiner Heimat, der brasilianischen Musik und dem Flamenco ebenso wie von der klassischen Gitarre und dem Jazz. Er hat zahlreiche Alben veröffentlicht, seine Konzertreisen führten ihn durch ganz Europa, Japan, Korea, Indien, Vietnam und die USA.



Acoustics folgen auf Sommerton in Wesel Diersfordt.

(NRZ, Susanne Zimmermann. 11.5.19)
Wesel. Winfried Schaus-Sahm und seine Mitstreiter machen weiter: Drei Konzerte der Extraklasse schließen an Sommerton auf Schloss Diersfordt an

Sommerton, das ungewöhnliche Festival am Schloss Diersfordt, ist im vergangenen Jahr an seinem eigenen Erfolg zu Grunde gegangen. Zu groß wurde der Aufwand, als dass er ehrenamtlich noch zu stemmen gewesen wäre. Dennoch: Die Organisatoren Winfried Schaus-Sahm und Volker Pypetz vom Verein Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel können nicht von der feinen Jazzmusik der Spitzenklasse lassen: Acoustics ist aus der Taufe gehoben. Drei Konzerte in der Schlosskirche Diersfordt, drei außergewöhnliche Solisten – sehr exklusiv und intim unter dem Titel „The Art of Solo“.

Spitzenmusiker ganz nah
Da wäre Vincent Peirani, Franzose und ein Musiker, der das betuliche Akkordeon – ja, wirklich, er spielt Quetschkommode – in ein furioses Instrument verwandelt, mal Percussion, mal Orgel, mal Klavier darauf spielt. Ganz leise oder überschäumend temperamentvoll spielt er Klassik, Jazz, Pop oder von allem ein bisschen. Dieser Tage spielt er in der Berliner Philharmonie vor 1600 Menschen – am 22. September in der kleinen Diersfordter Kirche mit der wunderbaren Akustik vor 120. „Bei uns spielt die Champions League der Musiker ihres Genres“, schwärmt Pypetz, dem die Vorfreude anzumerken ist. Das Besondere: Egal, welchen Platz man in der Kirche bekommen hat – sie sind nicht zu reservieren – so nah wie hier wird man Musikern dieser Klasse nur sehr selten kommen.

Jasper van’t Hof, niederländisches Jazz-Urgestein
Weiter geht’s mit Acoustics am 13. Oktober, wenn Jasper van’t Hof, Pianist und Jazz-Urgestein aus den Niederlanden, in die Schlosskirche kommt. Van’t Hof (72) hat in seiner langen Musikerkarriere verschiedene Strömungen des Jazz angestoßen, mit den unterschiedlichesten Bands gespielt und afrikanische Musiker mit der europäischen Jazzszene zusammen­gebracht. Sein Ethno-Fusion-Projekt Pili Pili war eines der erfolgreichen Ergebnisse dieser Arbeit. Jasper van’t Hof hat im Dezember den Buma Boy Edgar-Preis erhalten, die höchsten Meriten, die in den Niederlanden mit Jazz und Improvisation zu erwerben sind. Winfried Schaus-Sahm kennt van’t Hof seit 30 Jahren und ist begeistert von ihm und seiner Musik.

Finale mit Gitarrenvirtuosin Zsófia Boros
Zartere Töne erklingen beim dritten und letzten Acoustics-Konzert am 10. November, wenn die ungarische Gitarrenvirtuosin Zsófia Boros in die Saiten greift, sanft und intensiv, mal leidenschaftlich und immer im engen Kontakt mit ihrem Publikum.

Acoustics soll ein Auftakt sein – die Organisatoren möchten gern in den weiter machen. Das Format kommt ohne Sponsoren nicht aus. Die evangelische Kirchengemeinde unterstützt, indem sie die Kirche zur Verfügung stellt. Jochen Krause vom Presbyterium meint: „Wir treten in große Fußstapfen, aber ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, eine kleine, feine Konzertreihe zu etablieren.“

Der Vorverkauf hat begonnen
Die Konzerte beginnen jeweils um 15 Uhr in der Schlosskirche Diersfordt. Karten kosten 25 Euro, es gibt eine limitierte Anzahl von Pässen für alle drei Konzerte (65 Euro).
Kartenverkauf: ev. Gemeindebüro in Wesel Flüren (Marsstraße 1), Buchhandlung Korn Wesel (Brückstraße 13),Wesel Marketing (Großer Markt 9), Konzertkasse Lange in Duisburg (Kuhstraße 14).

Vincent Peirani wollte eigentlich Schlagzeuger werden – es wurde auf Wunsch des Vaters das Schifferklavier. Was der Franzose der Quetschkommode entlockt, verblüfft die Fachwelt und füllt die Konzertsäle. Foto:pr



Auszeichnung für Vincent Peirani

Vincent Peirani wurde von der führenden französischen Fachzeitschrift „Jazzmagazin“ zum Musiker des Jahres gewählt.