„Die noch junge Konzertreihe „acoustics“ in der Rokoko-Kirche des Diersfordter Schlosses ist in kürzester Zeit zum Inbegriff eines außergewöhnlichen Kunsterlebnisses geworden. Die Schlosskirche ist ein Ort, der nicht nur aufgrund seiner architektonischen Schönheit, sondern vor allem seiner Akustik besticht, die ihn für Musikdarbietungen außergewöhnlich macht. Wenn hier auf kleinem Raum Konzerte von Weltrang geboten werden, begegnen sich Interpreten und Publikum auf Augenhöhe, kommen sich ungewöhnlich nahe. Das „Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel“ unter der künstlerischen Leitung von Wilfried Schaus-Sahm bringt eigens für die MUZIEK BIENNALE einen Dreiklang „tiefer Töne und tiefer Empfindung“ zu Gehör.“


(MUZIEK BIENNALE NIEDERRHEIN)

 

 

Nik Bärtsch

Sonntag, 05. September 2022 / 15.00 Uhr

„Bärtschs mysteriöse Musik wird es viel länger geben als die schnelle Lösung, nach der der Mehrheitsgeschmack zu schreien scheint.“ Stuart Nicholson, The Observer (Großbritannien)

Nachdem der Schweizer Pianist, Komponist, Konzeptionist und Musikproduzent Nik Bärtsch zuletzt einige Alben mit seinem Ensemble Ronin und ein weiteres mit seiner Band Mobile veröffentlichte, kehrte er 2021 im Alleingang zurück. »Entendre« heißt das zweite Soloalbum seiner Karriere nach »Hishiryō Piano Solo« aus dem Jahr 2002. Und es zeigt einmal mehr, wie nah Virtuosität und Leichtigkeit beieinander liegen können. »Entendre« bietet tiefe Einblicke in sein musikalisches Denken. Es beleuchtet Aspekte seines Spiels und die Natur seiner modularen Improvisationen.           
Bärtsch entfaltet seine polymetrischen Stücke, die oftmals als Zen Funk beschrieben wurden, mit großem Sinn für die Feinheiten des Anschlags. Der Pianist findet Freiheit in der ästhetischen Beschränkung, ergreift aber auch Gelegenheiten, die Musik an neue Orte zu führen.   
Die Soloarbeit von Nik Bärtsch hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Eine Solo-Klaviertournee im Jahr 2017 führte ihn auf einer unorthodoxen Reiseroute nach Teheran, Kairo, Alexandria, Kalkutta und Delhi. Ein Schlüsselmoment war sein Soloauftritt bei der Feier zum 50-jährigen Bestehen von ECM im New Yorker Lincoln Center im Jahr 2019. Nik Bärtschs nummerierte „Modul“-Stücke können eher als Vorlagen denn als fixe und endgültige Kompositionen betrachtet werde. Er vergleicht sie mit „einem Grundtraining in Kampfkünsten, das an alle möglichen Situationen angepasst werden kann. Jedes Stück spielt mit der Idee von Komposition, Interpretation und Improvisation und wird von derselben Kraft genährt, kann jedoch sehr überraschende Ergebnisse erzielen.“
Geduld, intensive Konzentration und Leichtigkeit gehören zu den konträren Eigenschaften, die nötig sind, um diese Musik “dramaturgisch inszeniert” zu spielen und ihre Geheimnisse freizusetzen. Im Solospiel versucht Bärtsch, so sagt er, “loszulassen, im Stück zu fließen und die egozentrische Art, die Musik zu forcieren, zu transzendieren, um eine höhere Ebene der Freiheit in Übereinstimmung mit der Form des Werkes zu finden.”    
„Mein Stil in der Solomusik ist nicht in erster Linie ein ‚Jazz‘-Angriff auf das Klavier. Es liegt vielmehr zwischen Kammermusik, Solospiel in klassischer Tradition, moderner Minimal Music und dem „Groove“-Aspekt.“      

Die Musik von Nik Bärtsch ist geprägt von der Liebe zu repetitiven und reduktiven Prinzipien und zur rhythmischen Verzahnung. Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimalen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Sie schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit.

Nik Bärtsch – Piano Solo (Schweiz)

Das Konzert von Nik Bärtsch wird Ihnen präsentiert von der Fasselt Stiftung.

Asja Valcic und Klaus Paier

Sonntag, 18. September 2022 / 15.00 Uhr

„This album is an invitation for the listener to cross musical boundaries, so do not ask yourself the question if we should talk about classical music, jazz or world music. A beautiful album by two artists giving the best of themselves.“- Paris Move (FR)

Seit einer Dekade nun schon machen der Kärntner Akkordeonist Klaus Paier und die aus Zagreb stammende Cellistin Asja Valcic Musik, die Publikum wie Kritik begeistert: „Atemberaubend“ urteilt zum Beispiel Der Spiegel, ein „packendes Zusammenspiel“ hört der britische Guardian.    
Ihre gemeinsame Reise begann 2009 mit dem Debüt „À Deux“. Seitdem machen Paier und Valcic die Kombination Akkordeon-Cello zu einem unvergleichlichen Klangerlebnis.

Ihr Jubiläumsalbum „Vision for Two – 10 Years“ steht nun für eine Bestandsaufnahme, aber auch für die fortwährende Neuerfindung und den Ausblick dieses visionären Duos. Schon der Titeltrack breitet zum Einstieg alle musikalischen Errungenschaften aus: Beide, Paier wie Valcic, kommen ursprünglich aus der Klassik, haben sich ihr aber abgewandt, um durch stilistische Offenheit zu einer ganz eigenen, universellen Tonsprache zu gelangen. Stets ist der Klang ihr Ausgangspunkt, das seidige und geschmeidige, in der Tongestaltung klassische Spiel, das ihre Musik zeitlos macht. Dazu kommt der vom Augenblicks- und Freiheitsgedanken des Jazz getragene Spirit, der sich mit weltmusikalischen Einflüssen verbindet. Eine enorme, fast filmische Bildhaftigkeit ihrer Stücke ist das Resultat. Paier und Valcic laden den Hörer ein, tief in eine vielschichtige wie faszinierende Klangwelt einzutauchen. Die Stücke belegen die kompositorischen, kreativen wie gestalterischen Qualitäten dieses traumwandlerisch agierenden Duos. „Straight Thirteen“ groovt mit seiner vom vibrierenden ungeraden Takt aufgeladenen repetitiven Hookline. Melancholisch-dramatisch ertönt „Angela“, „Hidden Thread“ dagegen ist impressionistisch gefärbt und „A Love’s Delight“ greift südamerikanische Elemente auf. Während sich Valcic mit „Dans l’esprit de Debussy“ vor Debussy verneigt, hat Paier die swingende Hommage „Mozart Incognito“ an einen anderen Meister der abendländischen Kunstmusik komponiert. Bevor das Album mit der Bandoneon-Ballade „El Alba“ schließt, verrät der Titel eines mit perkussiven Elementen spannungsvoll verdichteten Jazz-Latin-Blues, in welcher Phase sich Paier und Valcic nach zehn Jahren sehen: „Moving On“. Beide haben mit ihrer Vision vom Zusammenspiel zu zweit Außerordentliches erreicht – und noch viel vor.    
Das Duo Paier & Valcic zeigt einmal mehr, wie zeitlos und grenzüberschreitend es sich mit Jazz als Basis musizieren lässt. Einander zuhören, miteinander kommunizieren, Ideen des anderen weiterstricken. Frisch, agil und vor musikalischer Kraft strotzend. Die Kunst, die der Akkordeonist und die Cellistin meisterhaft beherrschen, ist, aus vielen Einflüssen ein ungemein stimmungsvolles Gesamtbild zu erzeugen. Eines, das einen – egal ob nun mit leisen Tönen oder verspielt tanzenden Rhythmen – unweigerlich einnimmt.


Klaus Paier (accordion, bandoneon) (Österreich)
Asja Valcic (cello) (Kroatien)


Das Konzert von Klaus Paier und Asja Valcic wird Ihnen präsentiert von der Fa. Holemans. 

Martin Taylor & Ulf Wakenius

Sonntag, 09. Oktober 2022 / 15.00 Uhr

Zwei der größten Jazzgitarristen unserer Tage haben sich zu einer unvergesslichen Live-Show zusammengeschlossen. Sie bringen ein einzigartiges Erbe im europäischen Jazz mit, das aus jahrelangen Tourneen und Aufnahmen mit Stephane Grappelli und Oscar Peterson stammt. Martin Taylor arbeitete 11 Jahre lang mit Grappelli und spielte mit Django Reinhardt, während Ulf Wakenius 10 Jahre lang mit Oscar Peterson zusammenarbeitete und den Gitarrenstuhl für Joe Pass, Herb Ellis und Barney Kessel füllte. Darüber hinaus haben Taylor und Wakenius auch mit Größen wie Pat Metheny, Herbie Hancock, Jeff Beck, George Harrison, Mike Brecker, Jamie Cullum, Ray Brown und Michel Legrand zusammengearbeitet, um nur einige zu nennen. 
Dr. Martin Taylor, GRAMMY-nominierter Gitarrist, Komponist, Pädagoge und musikalischer Innovator, gilt als der weltweit führende Vertreter des Fingerstyle-Gitarrenspiels. Er besitzt einen unnachahmlichen Stil, der ihm Anerkennung von Musikerkollegen, Fans und Kritikern eingebracht hat. Er verzaubert das Publikum mit einem charakteristischen Stil, der seine Virtuosität, Emotion und seinen Humor kunstvoll mit einer starken, mitreißenden Bühnenpräsenz verbindet. Im Laufe seiner herausragenden Karriere hat Taylor als Gitarrist den Rekord von 14 British Jazz Awards gesammelt. Mehrere seiner Alben waren in den USA und Europa in den Top Ten. 

Die Vita des schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius liest sich in den schillerndsten Farben. Schon in den frühen Achtzigern begeisterte das Wakenius Gitarren Duo „Guitars Unlimited“ – bei ihrem Auftritt beim Melody Grand Prix vor 600 Millionen Zuschauer, vermutlich dem größten Publikum, das je ein Jazzgitarren-Duo verbuchen konnte. Von 1997 bis 2007 besetzte das „Swedisch Guitar Genius“ (Downbeat) die vielleicht prestigeträchtigste Stelle, die im Jazz zu haben war: als Gitarrist im Oscar Petersen Quartet. Zwei Duo-Alben mit Ray Brown, der großen Bass-Ikone, führten gar die amerikanischen Jazz-Charts an.

Seine Vorliebe für Melodien macht ihn überdies zum idealen Begleiter. Mit Sängerinnen wie Viktoria Tolstoy oder Youn Sun Nah, aber auch mit Ikonen wie Joe Henderson, Michel Legrand stand er auf den Bühnen der Carnegie Hall, der Royal Albert Hall oder des Wiener Musikvereins. Er spielte vor illustren Persönlichkeiten wie US-Präsident Barack Obama, Queen Elizabeth II von England oder Clint Eastwood.          

Auf der einen Seite ist Wakenius einer der größten Virtuosen der Jazzgitarre, auf der anderen ein unerhört reduzierter und lyrischer Schöpfer sanfter und süßer oder gar bittersüßer Klänge.

Martin Taylor (git) (Großbritannien)
Ulf Wakenius (git) (Schweden)

Das Konzert von Martin Taylor & Ulf Wakeniuswird Ihnen präsentiert von der Volksbank Rhein-Lippe eG

Absage der acoustics-Konzerte 2021

Liebe Musikfreundin, lieber Musikfreund,
nach der gelungenen Premiere im Jahr 2019 ist unsere acoustics-Konzertreihe 2020 in den Sog der Corona-Pandemie geraten. Die Konzerte konnten nicht stattfinden und mussten nach 2021 verschoben werden. Doch das Virus wütet weiter, zwischenzeitlich haben wir, um die Reihe in irgendeiner Weise zu retten, einen Wechsel des Veranstaltungsortes in das „Scala Kulturspiellhaus“ geplant.
Wegen der unverändert ernsten Lage, die durch die Corona-Pandemie weiterhin besteht, sehen wir uns jetzt erneut gezwungen, die Veranstaltungen komplett abzusagen. Inzwischen hat das Virus uns auch persönlich erreicht, zwei Personen aus dem acoustics-Team sind an Corona erkrankt.
Nach realistischer Einschätzung wird es im September keine Chance geben, Veranstaltungen in kleinen, geschlossenen Räumen durchzuführen, ohne die anreisenden Künstlerinnen und Künstler, das Publikum und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Veranstalterteams gesundheitlich zu gefährden.
Eine Verschiebung der Auftritte in den Herbst 2022 ist nicht möglich, da wir für das nächste Jahr bereits ein neues, hochkarätiges internationales Programm zusammengestellt haben, von dem wir hoffen, es dann wieder unter normalen Voraussetzungen an unserem Originalspielort, der Schlosskirche Diersfordt, durchführen zu können. Acoustics 2022 wird dann auch wieder im Rahmen der „Muziekbiennale Niederrhein“ stattfinden.
Wenn Sie Tickets über „eventim“ gebucht hatten, brauchen Sie nicht tätig werden. Das Geld wird Ihnen umgehend auf Ihr Konto zurückgebucht.  Wenn Sie telefonisch Ihr Ticket geordert und auf unser Vereinskonto eingezahlt hatten, überweisen wir Ihnen in den nächsten Tagen den Betrag für die gekauften Karten. Selbstverständlich können Sie auch auf eine Rückerstattung verzichten, wenn Sie unseren Verein durch eine Spende unterstützen möchten. Als freier Veranstalter haben wir durch weiterlaufende Kosten und fehlende Einnahmen durch die Krise auch finanziell gelitten. Schicken Sie uns in diesem Fall hierzu kurz eine Mail.
Dank geht an unsere treuen Sponsoren, die ihre Unterstützung auch in Zukunft aufrechterhalten wollen und nicht zuletzt danken wir der „Evangelischen Kirchengemeinde Bislich-Diersfordt-Flüren“, dass sie uns die Schlosskirche wiederum zur Verfügung stellen wird.
Mit herzlichen Grüßen und der Hoffnung auf bessere Zeiten

Jochen Krause, Volker Pypetz
(Kulturnetzwerk Diersfordt Wesel)
Wilfried Schaus-Sahm
/Künstlerischer Leiter)

 

Abgesagt
Zsófia Boros

Sonntag, 05. September 2021 / 15 Uhr

Zsófia Boros besitzt einen untrüglichen Instinkt für ausgewogene Klänge. Die 1980 in Prag geborene Gitarristin trifft den besonderen Ton, der zu einer bestimmten Musik passt. In den Feuilletons wird sie immer wieder, und das mit Recht, für ihre intuitiven Qualitäten gelobt. Eine sichere und fein aufeinander abgestimmte Griff- und Anschlagtechnik hat sie sich schon früh angeeignet. Man merkt ihrem Spiel an, dass sie sich hierauf nicht zu konzentrieren braucht. Sie kann das Augenmerk auf den poetischen Gehalt der Musik legen, und dem widmet sie sich unverkrampft, zart tastend und mit nicht zu bändigender Entdeckerfreude. Ihr ECM-Debüt “En otra parte” (“Anderswo”) lieferte bereits ein eindrucksvolles Zeugnis für die musikalische Fruchtbarkeit ihrer intuitiven Tugenden. Boros ist eine große Klangästhetin, deren delikate Kunst bestens zu ihrem Label ECM passt. Auf ihrem zweiten Album “Local Objects” begibt sich die ungarisch stämmige, in Wien lebende Musikerin auf eine internationale Entdeckungsreise.

Das Klangspektrum reicht von tanzfreudigem Milonga über poetisch-nachdenkliche Stücke bis hin zu jazzartigen Episoden. Zsófia Boros durchmisst modernes Gitarrenrepertoire aus insgesamt fünf Ländern: Frankreich, Brasilien, Argentinien, Italien und Aserbeidschan. Boros versteht es, die Hörerinnen und Hörer behutsam an die Hand zu nehmen – obwohl man mit höchst unterschiedlichen Klangwelten konfrontiert wird, erkennt man sogleich den inneren Zusammenhang des Repertoires. Die Schnittmenge ist das experimentelle, entdeckungsfreudige Moment, die Lust an neuen Klängen, die mal in meditative, mal in elegische, mal in leidenschaftlich ausbrechende Stimmungen einmünden. Wenn man sich in Stücken wie “Nocturne” von Mathias Duplessy oder dem melancholischen “Celebração de Núpcias” von Egberto Gismonti schon auf eine im Wesentlichen stille Atmosphäre einstellt, so wird man in Domeniconis vierteiligem “Koyunbaba” allmählich in ein spannungsgeladenes Flirren hinübergeführt. “Milonga” von dem Argentinier Jorge Cardoso versieht sie mit einem eigenen, zurückhaltenden Intro. “Ich wollte”, so die Gitarristin selbst, “nicht direkt in den Raum eintreten, in dem die Geschichte stattfindet. Ich wollte zuerst in den Garten gehen, um die Blumen zu sehen.” Wie der Gang durch einen Garten mit einer Vielfalt von Beeten und Pflanzen mutet auch die Musik von Zsófia Boros an, die dem Hörer unaufdringlich die harmonischen Schönheiten moderner Gitarrenliteratur nahebringt.

Die dezent unaufgeregte aber sehr eindringliche und ungemein lyrische Art, mit der Zsófia Boros zu Werke geht, lässt einen an geheimnisvolle ferne Orte gelangen. Man durchquert beim Hören der vielschichtigen Stücke unendliche Klangweiten, intensivste Seelenzustände, tiefste Emotionen, man feiert und trauert, man lässt sich verführen und von der sanftesten und stimmungsvollsten Melancholie einnehmen.

Es ist fast unmöglich, nicht von der Schönheit dieser Melodien und Klänge berührt zu werden. Zsófia Boros findet mit ihrer Musik auf unnachahmliche Weise den Weg in die Herzen und Seelen der HörerInnen, und das wieder und wieder, mit einfach jedem Ton, den sie anspielt.

Sie hat die Gabe, mit der Gitarre “Emotionen und intuitive Gedanken zu vermitteln” (Jazz Inside).

Zsófia Boros (Ungarn) – Gitarre

Abgesagt
Renaud García-fons / Claire Antonini

Sonntag, 19. September 2021 / 15 Uhr

Farangi -Du baroque à l’Orient – Der Franzose Renaud García-fons hat den tief tönenden Kontrabass, also ein Instrument, das zumeist in der Begleitung eine Rolle spielt, revolutioniert und wird als der “Paganini des Kontrabasses” bezeichnet, der den Bass durch Einbau einer fünften Saite und eine bis dahin ungeahnte spieltechnische Perfektion zum “Singen” gebracht hat.

Seine Duo-Partnerin Claire Antonini wurde durch ihre Zusammenarbeit mit dem Countertenor Philippe Jaroussky bekannt. Sie steht dabei dem Überflieger am Kontrabass in nichts nach. Die Künstlerin studierte sowohl Alte wie Orientalische Musik und kann eine Vielfalt an Spieltechniken abrufen, die weit über das Können einer Barockspezialistin hinausreichen. Ihr Instrument, die Theorbe, eine tiefe Laute mit extrem langen Hals, wurde im Barock entwickelt, weil man für die „neue Musik“ ab 1600 ein tiefes Bassregister zur Begleitung benötigte.

Renaud García-Fons und Claire Antonini sind als Duett schon seit vielen Jahren aktiv. In seinem Programm „Farangi (Du baroque à l’Orient)“ improvisiert das Duo über Melodien aus dem Orient und dem Barock .

„Das Repertoire besteht aus 19 kurzen und größtenteils eigenen Kompositionen, die in Form von Miniaturen eine imaginäre Reise zu einer kulturellen Kreuzung darstellen. So klingt der Kontrabass manchmal wie eine Ney und die Theorbe wie eine Sitar. Die Kombination der beiden Stimmen und ihre vielfältigen Timbres und Modi geben den Stücken immer neue Orchestrierungen.

Stilistisch lässt sich da wenig einordnen, jede Schublade ist zu klein. Seit Jahrzehnten ist der Kontrabassist zwischen den Musikwelten unterwegs. Er wildert im Jazz, jagt durch die Weltmusik, hat ein Ohr auf die Klassik gerichtet und das andere Richtung orientalischer Musik. Genre-Grenzen sind für García-Fons kleine Hürden, die man sportlich nehmen muss. Beflügelt wird seine Neugier von einer überragenden Spieltechnik.

Doch es ist bei weitem nicht alles auf Tempo gebürstet. Im Duett erschaffen Renaud García-Fons und Claire Antonini immer wieder ruhige Klangflächen, auf denen sie kontemplativ verweilen. (SWR2 -Georg Waßmuth )

Renaud García-Fons (Frankreich)- fünfsaitiger Kontrabass/Percussion auf dem Bass

Claire Antonini (Frankreich)- Theorbe/Barocklaute/Sopranlaute

»… ein schlicht hochemotionaler, melodisch wie rhythmisch überwältigender Saitenzauber in zeitloser Frische und faszinierender Klangpracht.« (Stereo, August 2019)

Abgesagt
Anja Lechner und Pablo Márquez

Sonntag, 03. Oktober 2021 / 15 Uhr

Spätestens seit der Romantik neigen die die Deutschen dazu, künstlerische Tiefe mit Melancholie, Trauer und Grüblertum zu verbinden. Das Schubert-Programm „Die Nacht“der Münchener Cellistin Anja Lechner und des argentinischen Gitarristen Pablo Márquez beweist, dass man aber selbst den Leiermann, also den späten Schubert, hören und spielen kann, ohne tieftraurig zu werden. Anja Lechner und Pablo Márquez haben über Jahre in ihren Duo-Konzerten unterschiedlichstes Repertoire und musikalische Ausdrucksformen erforscht. Für ihr Schubert-Projekt ergibt sich ein konzeptueller Kontext aus der starken Tradition von Liedern mit Gitarrenbegleitung im Wien des 19. Jahrhunderts . Viele von Schuberts Liedern wurden zu Lebzeiten des Komponisten in alternativen Versionen mit Gitarre veröffentlicht, in einigen Fällen erschien die Gitarrenversion sogar vor der für Klavier. Zentrum des Konzertes ist die Arpeggione-Suite.

Die Arpeggione war zu Schuberts Zeit ein ganz neues Instrument mit sechs Saiten und Bünden, ein Zwitter aus Cello und Gitarre, und wurde seinerzeit auch “Bogen-Gitarre” oder “Guitarre d’amour” genannt. Durchgesetzt hat sie sich nicht. Wahrscheinlich wäre das Instrument inzwischen längst vergessen, hätte Schubert nicht diese eine Sonate für die Arpeggione komponiert. Heute übernimmt den Arpeggione-Part meist ein Cello oder eine Bratsche. Jeder Cellist merkt aber schnell, dass dieses Stück nicht für sein Instrument geschrieben ist. Vieles liegt unangenehm, spielt sich in der hohen Lage ab. Der originale Klavierpart ist durchlässig und eignet sich daher besonders gut für die Gitarre.

„Die Bearbeitung für Cello und Gitarre, die Anja Lechner und Pablo Márquez spielen, ist sehr gekonnt und sensibel eingerichtet. In den aufbegehrenden Stellen spielt das Duo energiegeladen, aber immer feinsinnig. Und dann bringt diese Version auch volksmusikalische Assoziationen mit sich, etwa wenn die Gitarre eine Akkordbegleitung zur Cello-Melodie anstimmt.

Mit diesen Liedbearbeitungen zeigen Anja Lechner und Pablo Márquez nicht nur, wie subtil und zugleich zeitgemäß Schuberts Kammermusik interpretiert werden kann, sondern auch wie facettenreich, lebendig und zeitlos faszinierend diese Musik ist.“ (BR Klassik -Meret Forster)

Die Nacht“ wurde zuletzt auf einer Europatournee mit Konzerten in Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn und Rumänien vom Publikum gefeiert.

So zaubern die Musiker auf dieser CD viele herrliche Momente herbei. Die Nacht ist ein verträumtes Album, das sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.“ (Ole Pflüger, WDR3)

Anja Lechner (Deutschland) – Cello
Páblo Márquez (Argentinien) – Gitarre