„Die noch junge Konzertreihe „acoustics“ in der Rokoko-Kirche des Diersfordter Schlosses ist in kürzester Zeit zum Inbegriff eines außergewöhnlichen Kunsterlebnisses geworden. Die Schlosskirche ist ein Ort, der nicht nur aufgrund seiner architektonischen Schönheit, sondern vor allem seiner Akustik besticht, die ihn für Musikdarbietungen außergewöhnlich macht. Wenn hier auf kleinem Raum Konzerte von Weltrang geboten werden, begegnen sich Interpreten und Publikum auf Augenhöhe, kommen sich ungewöhnlich nahe. Das „Kultur Netzwerk Diersfordt Wesel“ unter der künstlerischen Leitung von Wilfried Schaus-Sahm bringt eigens für die MUZIEK BIENNALE einen Dreiklang „tiefer Töne und tiefer Empfindung“ zu Gehör.“


(MUZIEK BIENNALE NIDERRHEIN)

Zsófia Boros

Sonntag, 05. September 2021 15.00 Uhr

Zsófia Boros besitzt einen untrüglichen Instinkt für ausgewogene Klänge. Die 1980 in Prag geborene Gitarristin trifft den besonderen Ton, der zu einer bestimmten Musik passt. In den Feuilletons wird sie immer wieder, und das mit Recht, für ihre intuitiven Qualitäten gelobt. Eine sichere und fein aufeinander abgestimmte Griff- und Anschlagtechnik hat sie sich schon früh angeeignet. Man merkt ihrem Spiel an, dass sie sich hierauf nicht zu konzentrieren braucht. Sie kann das Augenmerk auf den poetischen Gehalt der Musik legen, und dem widmet sie sich unverkrampft, zart tastend und mit nicht zu bändigender Entdeckerfreude. Ihr ECM-Debüt “En otra parte” (“Anderswo”) lieferte bereits ein eindrucksvolles Zeugnis für die musikalische Fruchtbarkeit ihrer intuitiven Tugenden. Boros ist eine große Klangästhetin, deren delikate Kunst bestens zu ihrem Label ECM passt. Auf ihrem zweiten Album “Local Objects” begibt sich die ungarisch stämmige, in Wien lebende Musikerin auf eine internationale Entdeckungsreise.

Das Klangspektrum reicht von tanzfreudigem Milonga über poetisch-nachdenkliche Stücke bis hin zu jazzartigen Episoden. Zsófia Boros durchmisst modernes Gitarrenrepertoire aus insgesamt fünf Ländern: Frankreich, Brasilien, Argentinien, Italien und Aserbeidschan. Boros versteht es, die Hörerinnen und Hörer behutsam an die Hand zu nehmen – obwohl man mit höchst unterschiedlichen Klangwelten konfrontiert wird, erkennt man sogleich den inneren Zusammenhang des Repertoires. Die Schnittmenge ist das experimentelle, entdeckungsfreudige Moment, die Lust an neuen Klängen, die mal in meditative, mal in elegische, mal in leidenschaftlich ausbrechende Stimmungen einmünden. Wenn man sich in Stücken wie “Nocturne” von Mathias Duplessy oder dem melancholischen “Celebração de Núpcias” von Egberto Gismonti schon auf eine im Wesentlichen stille Atmosphäre einstellt, so wird man in Domeniconis vierteiligem “Koyunbaba” allmählich in ein spannungsgeladenes Flirren hinübergeführt. “Milonga” von dem Argentinier Jorge Cardoso versieht sie mit einem eigenen, zurückhaltenden Intro. “Ich wollte”, so die Gitarristin selbst, “nicht direkt in den Raum eintreten, in dem die Geschichte stattfindet. Ich wollte zuerst in den Garten gehen, um die Blumen zu sehen.” Wie der Gang durch einen Garten mit einer Vielfalt von Beeten und Pflanzen mutet auch die Musik von Zsófia Boros an, die dem Hörer unaufdringlich die harmonischen Schönheiten moderner Gitarrenliteratur nahebringt.

Die dezent unaufgeregte aber sehr eindringliche und ungemein lyrische Art, mit der Zsófia Boros zu Werke geht, lässt einen an geheimnisvolle ferne Orte gelangen. Man durchquert beim Hören der vielschichtigen Stücke unendliche Klangweiten, intensivste Seelenzustände, tiefste Emotionen, man feiert und trauert, man lässt sich verführen und von der sanftesten und stimmungsvollsten Melancholie einnehmen.

Es ist fast unmöglich, nicht von der Schönheit dieser Melodien und Klänge berührt zu werden. Zsófia Boros findet mit ihrer Musik auf unnachahmliche Weise den Weg in die Herzen und Seelen der HörerInnen, und das wieder und wieder, mit einfach jedem Ton, den sie anspielt.

Sie hat die Gabe, mit der Gitarre “Emotionen und intuitive Gedanken zu vermitteln” (Jazz Inside).

Zsófia Boros (Ungarn) – Gitarre


Renaud García-fons / Claire Antonini

Sonntag, 19. September 2021 15.00 Uhr


„Farangi -Du baroque à l’Orient “ – Der Franzose Renaud García-fons hat den tief tönenden Kontrabass, also ein Instrument, das zumeist in der Begleitung eine Rolle spielt, revolutioniert und wird als der “Paganini des Kontrabasses” bezeichnet, der den Bass durch Einbau einer fünften Saite und eine bis dahin ungeahnte spieltechnische Perfektion zum “Singen” gebracht hat.

Seine Duo-Partnerin Claire Antonini wurde durch ihre Zusammenarbeit mit dem Countertenor Philippe Jaroussky bekannt. Sie steht dabei dem Überflieger am Kontrabass in nichts nach. Die Künstlerin studierte sowohl Alte wie Orientalische Musik und kann eine Vielfalt an Spieltechniken abrufen, die weit über das Können einer Barockspezialistin hinausreichen. Ihr Instrument, die Theorbe, eine tiefe Laute mit extrem langen Hals, wurde im Barock entwickelt, weil man für die „neue Musik“ ab 1600 ein tiefes Bassregister zur Begleitung benötigte.

Renaud García-Fons und Claire Antonini sind als Duett schon seit vielen Jahren aktiv. In seinem Programm „Farangi (Du baroque à l’Orient)“ improvisiert das Duo über Melodien aus dem Orient und dem Barock .

„Das Repertoire besteht aus 19 kurzen und größtenteils eigenen Kompositionen, die in Form von Miniaturen eine imaginäre Reise zu einer kulturellen Kreuzung darstellen. So klingt der Kontrabass manchmal wie eine Ney und die Theorbe wie eine Sitar. Die Kombination der beiden Stimmen und ihre vielfältigen Timbres und Modi geben den Stücken immer neue Orchestrierungen.

Stilistisch lässt sich da wenig einordnen, jede Schublade ist zu klein. Seit Jahrzehnten ist der Kontrabassist zwischen den Musikwelten unterwegs. Er wildert im Jazz, jagt durch die Weltmusik, hat ein Ohr auf die Klassik gerichtet und das andere Richtung orientalischer Musik. Genre-Grenzen sind für García-Fons kleine Hürden, die man sportlich nehmen muss. Beflügelt wird seine Neugier von einer überragenden Spieltechnik.

Doch es ist bei weitem nicht alles auf Tempo gebürstet. Im Duett erschaffen Renaud García-Fons und Claire Antonini immer wieder ruhige Klangflächen, auf denen sie kontemplativ verweilen. (SWR2 -Georg Waßmuth )

Renaud García-Fons (Frankreich)- fünfsaitiger Kontrabass/Percussion auf dem Bass

Claire Antonini (Frankreich)- Theorbe/Barocklaute/Sopranlaute

»… ein schlicht hochemotionaler, melodisch wie rhythmisch überwältigender Saitenzauber in zeitloser Frische und faszinierender Klangpracht.« (Stereo, August 2019)


Anja Lechner und Pablo Márquez

Sonntag, 03. Oktober 2021 15.00 Uhr

Spätestens seit der Romantik neigen die die Deutschen dazu, künstlerische Tiefe mit Melancholie, Trauer und Grüblertum zu verbinden. Das Schubert-Programm „Die Nacht“der Münchener Cellistin Anja Lechner und des argentinischen Gitarristen Pablo Márquez beweist, dass man aber selbst den Leiermann, also den späten Schubert, hören und spielen kann, ohne tieftraurig zu werden. Anja Lechner und Pablo Márquez haben über Jahre in ihren Duo-Konzerten unterschiedlichstes Repertoire und musikalische Ausdrucksformen erforscht. Für ihr Schubert-Projekt ergibt sich ein konzeptueller Kontext aus der starken Tradition von Liedern mit Gitarrenbegleitung im Wien des 19. Jahrhunderts . Viele von Schuberts Liedern wurden zu Lebzeiten des Komponisten in alternativen Versionen mit Gitarre veröffentlicht, in einigen Fällen erschien die Gitarrenversion sogar vor der für Klavier. Zentrum des Konzertes ist die Arpeggione-Suite.

Die Arpeggione war zu Schuberts Zeit ein ganz neues Instrument mit sechs Saiten und Bünden, ein Zwitter aus Cello und Gitarre, und wurde seinerzeit auch “Bogen-Gitarre” oder “Guitarre d’amour” genannt. Durchgesetzt hat sie sich nicht. Wahrscheinlich wäre das Instrument inzwischen längst vergessen, hätte Schubert nicht diese eine Sonate für die Arpeggione komponiert. Heute übernimmt den Arpeggione-Part meist ein Cello oder eine Bratsche. Jeder Cellist merkt aber schnell, dass dieses Stück nicht für sein Instrument geschrieben ist. Vieles liegt unangenehm, spielt sich in der hohen Lage ab. Der originale Klavierpart ist durchlässig und eignet sich daher besonders gut für die Gitarre.

„Die Bearbeitung für Cello und Gitarre, die Anja Lechner und Pablo Márquez spielen, ist sehr gekonnt und sensibel eingerichtet. In den aufbegehrenden Stellen spielt das Duo energiegeladen, aber immer feinsinnig. Und dann bringt diese Version auch volksmusikalische Assoziationen mit sich, etwa wenn die Gitarre eine Akkordbegleitung zur Cello-Melodie anstimmt.

Mit diesen Liedbearbeitungen zeigen Anja Lechner und Pablo Márquez nicht nur, wie subtil und zugleich zeitgemäß Schuberts Kammermusik interpretiert werden kann, sondern auch wie facettenreich, lebendig und zeitlos faszinierend diese Musik ist.“ (BR Klassik -Meret Forster)

Die Nacht“ wurde zuletzt auf einer Europatournee mit Konzerten in Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn und Rumänien vom Publikum gefeiert.

So zaubern die Musiker auf dieser CD viele herrliche Momente herbei. Die Nacht ist ein verträumtes Album, das sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt.“ (Ole Pflüger, WDR3)

Anja Lechner (Deutschland) – Cello
Páblo Márquez (Argentinien) – Gitarre